Mittwoch, 30. Juni 2010

Das neue Gesicht der Mafia


Der Herr rechts in diesem Video ist Francesco Lena, Inhaber des bekannten sizilianischen Weingutes Santa Anastasia:



Er erklärt hier auf der wichtigsten Wein-Messe Italiens - der Vinitaly in Verona - sein Projekt des biodynamischen Weinanbaus. Auf der Webseite des Weinguts könnt ihr außerdem lesen, daß das Weingut ca. 80% der elektrischen Energie fotovoltaisch erzeugt.

Schade nur, daß all diese Investitionen auf dem schmutzigem Geld der Mafia basieren. Hier haben wieder ein schönes Beispiel für die Kultur der Mafia, die Sizilien nachwievor durchsetzt. Weitere Beispiele dazu findet ihr auf der Seite Mafia - Wie sie in Sizilien zu verschwinden beginnt. Ein herausragendes Beispiel für die Gegenkultur hierzu ist die Antischutzgeld-Initiative Addiopizzo.

Wie das alles herausgekommen ist, könnt ihr in der Pressemitteilung Dagli appalti al vino, affari di mafia lesen. Hier ist meine Übersetzung:

Von den Ausschreibungen zum Wein, die Geschäfte der Mafia

19 Haftbefehle im Rahmen einer Untersuchung über die Beziehungen von großen öffentlichen und privaten Aufträgen und über die Verbindung zwischen Cosa Nostra und Unternehmertum. Unter den Verhafteten befindet sich auch Francesco Lena, Inhaber eines bekannten Weingutes, Santa Anastasia, der Geld von Ehrenmännern investiert haben soll.

Ca. 200 Polizisten der Mobilen Einheit Organisierte Kriminalität haben in Palermo einen Großeinsatz gegen die Mafia durchgeführt. 19 Personen wurden in Untersuchungshaft genommen, beschuldigt der Verbindung zur Mafia, Schutzgelderpressung, Geldwäsche und Scheingeschäften.

Mit dieser Ermittlung ist es der Polizei gelungen, Licht in die Illegalität der Vergabe von großen öffentlichen und privaten Ausschreibungen und in die Verbindung von Mafia und Unternehmertum zu bringen. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden Betriebe und Immobilien im Wert von mehreren Hundertmillionen Euro beschlagnahmt.

Die Untersuchungen unter Inanspruchnahme von Abhöraktionen und Sicherstellungen bei Vertretern der Führungsspritze der Cosa Nostra seit 2005 bis heute, haben das System aufgedeckt, mittels dem die Organisation im Laufe der Zeit die Kontrolle über das Baugewerbe erlangt hat: von der Phase des Kaufs von Bauland, über die Baustellenaufsicht, die Aufsicht über die beteiligten Firmen bis hin zur Müllentsorgung. Letzteres mit der Absicht, sich in Position zu bringen für die Durchführung von Arbeiten an der geplanten Müllverbrennungsanlage in Bellolampo bei Paleremo.

Die palermitanischen Bosse, unter ihnen die Mafiabezirksgrössen Antonino Rotolo, Antonino Cinà und Salvatore Lo Piccolo hätten den bereits beteiligten Firmen auferlegt, eine Liste der im Rahmen des Projektes wichtigsten Arbeiten zu erstellen um dann eine Vorauswahl zu treffen über die Arbeiten, die der Organisation vorbehalten sind.

Das Eindringen in den Bereich der öffentlichen und privaten Ausschreibungen wird realisiert mittels Unternehmern, von denen einige Arbeitsgemeinschaften auf nationaler Ebene kontrollieren und zahlreiche Gesellschaften ersten Ranges des palermitanischen Marktes, als Geschäftspartner der Mafiabosse, Geldwäscher oder Treuhänder. Ausserdem wurden vorläufig Firmen und Immobilien von zahlreichen in Geldwäsche verstrickte Unternehmer im Werte von mehreren Hundertmillionen Euro beschlagnahmt.

Unter den 19 festgenommenen Personen sei auch der Unternhemer Francesco Lena, Ingenieur und Inhaber des bekannten Weingutes Santa Anastasia, der Qualitätswein produziert und in zahlreichen wichtigen Weinführern erwähnt wird. Das Gut wurde vor 30 Jahren bei Castelbuono (Palermo) gegründet und nach Meinung der Justiz wurde dort Geld einiger palermitaner Mafiabosse investiert.

Samstag, 26. Juni 2010

Heilsamer Kulturschock – der erste Tag auf Sizilien


Jedes Jahr zieht es mich wieder auf die Insel und ich darf mich auf einen wunderbaren Urlaub in Mongerbino Mongerbino freuen. Mein Appartment in der Villa Salerno liegt direkt am Meer und von der Terasse werde ich auf die Bucht von Palermo blicken können. Ein paar Treppenstufen führen über die Felsen zu einem kleinen Badeplateau, von dem ich schon oft die Füße ins Wasser habe baumeln lassen und meine Seele gleich dazu.

Ob wohl wieder Delfine vorbeischauen? Mein Handy klingelt, Thomas von der Sprachschule Solemar Sicilia und damit der Vermieter meines Appartments ruft an und gibt mir noch schnell einen wichtigen Tipp. Da ich an einem Sonntagnachmittag ankäme, wären die meisten Supermärkte bereits geschlossen, es gäbe aber noch einen in Villabate, der geöffnet wäre. Daran habe ich gar nicht gedacht und fühle mich wie jedes Jahr sehr gut aufgehoben.

Ich kenne es schon, der erste Tag auf Sizilien ist immer meiner Synchronisation mit dem sizilianischen Lebensrhythmus gewidmet. Ankunft auf dem mittlerweile modernisierten Flughafen Trapani und erstmal ab zur Bar. Aha, natürlich, an der Kasse nebenan im Kioskbereich muß im voraus gezahlt werden. Moment, was will ich den überhaupt bzw. was bietet die Bar an. Also zurück zum Tresen, durch die dort Anstehenden gedrängelt, um die Auslagen zu sondieren und mir den Namen des Panino einzuprägen. Zurück zur Kasse und nicht ärgern, als ein älterer Herr sich mal kurz von der Seite vordrängelt.

Mit erhobenem Kassenbon gehe ich zum Bartresen und erbitte mein Panino sowie den dringend benötigten Capuccino. Schon klar, den gibt es nicht hier sondern im Cafèbereich nebenan, also dort nochmal anstehen und sich um die dort seelenruhig ihren Cafè trinkenden herumschlängeln... Bereits während ich den köstlichen Capuccino schlürfe und den Tisch mit Krümmeln bedecke, muss ich über mich selber lachen. Die Sizilianer lehren mich mal wieder, mit ein wenig Chaos zu leben.