Sonntag, 29. Mai 2011

Parken in Palermo – leichter als gedacht


Das größte Problem des Verkehrs in Palermo ist nicht der großstadtübliche Parkplatz-Mangel, sondern die Aufdringlichkeit selbsternannter Parkplatzwächter. Kaum fährt man seine Runden in einem potentiellen Parkplatz-Gebiet, springt einen schon ein Mann vor die Haube, dirigiert einen zu einem Parkplatz und weist mit großartigen Gesten ein. Nur - man hätte den Parkplatz auch selber gefunden und einparken können.

Das Ganze ist natürlich kein Ausdruck reiner Menschenliebe sondern erwartet eine Gegenleistung. Die sogenannten "Posteggiatori" sind auch den Sizilianern ein Dorn im Auge und man geht mittlerweile staatlicherseits dagegen vor, sind sie doch Ausdruck für eine Mafia im Kleinen: Diese kleinen Paten ernennen sich zu Herren über die Parkplätze in Palermo, organisieren sich in Banden, teilen die Gebiete auf und erwarten Schutzgeld. Bei Verweigerung der Zahlung drohen Einheimischen im schlimmsten Falle zerkratzter Lack.

Im Fall von Touristen trollen sich die Posteggiatori normalerweise wieder, wenn man als Tourist so tut, als würde man nichts verstehen und vielleicht noch freundlich ein Urlaubs-Foto von ihnen macht. Jetzt sagt ihr vielleicht, ach, was ist schon ein Euro, dann habe ich meinen Parkplatz und meine Ruhe und die Herren sehen auch aus, als könnten sie das Geld gebrauchen. Die Zahlung dieser "Dienstleistung" unterstützt aber leider die Kultur der Mafia auf Sizilien.

Was also tun, wenn man mit dem Auto nach Palermo fahren möchte? Glücklicherweise gibt es offizielle Parkplätze und Parkhäuser, für die man zwar bis zu 3 Euro die Stunde zahlt, dafür bekommt man meiner Erfahrung nach dort immer einen Parkplatz, der Wagen ist so sicher wie möglich abgestellt und man vermeidet die Unterstützung der sizilianischen Mafia.

Ich habe noch einen Tipp für ein besonders zentral gelegenes Parkhaus – die Tiefgarage unter dem Kaufhaus La Rinascente:

Sizilien - Palermo - Blick in die Via Roma von der Dachterasse der neuen Obikà Mozzarella Bar des Kaufhauses La Rinascente


Schnell und sicher Parken in Palermo und dann dieser Blick...


Auf dem Gebäude befindet sich die moderne "Obikà Mozzarella Bar" mit einer fantastischen Dachterasse, von der aus man einen Blick über ganz Palermo hat.

Samstag, 21. Mai 2011

Der Baum zum Gedenken an Giovanni Falcone in Palermo


Am 23.5.11 jährt sich das Attentat auf den erfolgreichen sizilianischen Mafia-Jäger Giovanni Falcone zum 19. Mal. Doch nicht nur an diesem Tag wird an diesen überaus mutigen Mann gedacht, sondern ganzjährig kann man die Gedanken und Hoffnungen, die man in Sizilien mit ihm verbindet an einem besonderen Ort nachspüren. Kurz nach dem Attentat auf Falcone auf der Autobahn bei Capaci, bei dem auch seine Frau und 3 Leibwächter ermordet wurden, widmete die Bevölkerung von Palermo einen Baum vor der Wohnung Falcones in der Via Emanuele Notarbartolo zu einer Gedenkstätte um – zum Albero di Falcone.

Wenn man weiß, dass bis in die 80er Jahre hinein das Problem Mafia auf Sizilien vom Staat und auch leider von den Sizilianern selber als nicht existent behandelt wurde, steht man sehr berührt vor den am Baum angebrachten Botschaften. Schulklassen haben hier ihre Wertschätzung für Giovanni Falcone zum Ausdruck gebracht, staatliche Stellen wie der Bürgermeister von Palermo und Abteilungen der Polizei bekunden ihren Willen, den Kampf gegen die Mafia fortzuführen.

Mich hat dieses vor 19 Jahren spontan entstandene und heute noch lebendige Denk- und Mahnmal sehr beeindruckt und ich wünsche Sizilien nichts mehr als die endgültige Befreiung von der Krake Mafia, die ihre Arme um Wirtschaft, Politik und leider auch noch viele Köpfe geschlungen hat.

Sizilien - Palermo - Bild einer Schulklasse am Falcone-Baum


Wenn ihr die Wirkstätten von Giovanni Falcone in Palermo kennenlernen möchtet, findete ihr hier mehr Informationen:

Auf den Spuren von Giovanni Falcone


Ich habe ein beeindruckendes Buch über die Mafia entdeckt. Es heißt "Malacarne - Leben mit der Mafia" und ist ein grosser Bildband mit Texten u.a. von Roberto Saviano, dem von der Mafia verfolgten Autor des Buches "Gomorra", das sich mit den Machenschaften der neapolitanischen Camorra befaßt und Rita Borsellino, der sizilianischen Politikerin und Schwester des 1992 nur wenige Wochen nach seinem Freund und Kollegen Falcone ermordeten Mafia-Jägers Paolo Borsellino. Das Buch ist deutsch/italienisch und damit auch ein interessantes Lernmittel für die Fans der italienischen Sprache. Zusätzlich enthält es noch 2 CDs mit Liedern der Mafia, deren Texte Einblicke in die Regeln und Ehrbegriffe der kriminellen Organisation geben.


Sonntag, 15. Mai 2011

Mondello – der Traumstrand von Palermo und das "World Festival on the Beach"


In meiner norddeutschen Heimatstadt pfeift heute ganz unfrühlingshaft ein starker Wind übers Dach und sehnsüchtig blicke ich per Webcam nach Sizilien, genauer nach Mondello, dem Hausstrand von Palermo. Dort wird ein bißchen Wind derzeit gut gebraucht, denn es findet vom 16.-22. Mai das jährliche World Festival on the Beach statt.

Unter dem Motto "Mehr Sport..Mehr Musik.. Mehr Saubere Energie für eine bessere Welt" wird nicht nur wettbewerbsmäßig gesurft, gesegelt, gepaddelt oder Beachvolleyball gespielt sondern vor grossartiger Strandkulisse auch open air Musik aller Stilrichtungen von Klassik über Jazz bis Pop dargeboten – man muß also nicht nach Kalifornien reisen, um echte Beach-Atmosphäre zu schnuppern. Dazu gibt es noch Informationsstände zum Thema erneuerbare Energien – Sizilien als eine der sonnenreichsten Regionen Europas hat hier viel Potential und steht erst am Anfang bei der Sonnenenergienutzung, Information tut also gut.

Das Strandbad Mondello mit seinem als Seebrücke angelegten Jugendstil-Kurhaus aus dem Jahre 1912 liegt in einer Bucht nur wenige Kilometer von Palermo entfernt. Immer wenn ich auf Sizilien bin, verbringe ich einen Tag am feinen Sandstrand von Mondello. Der sandige Meeresboden an dieser Stelle läßt das Wasser in einem karibischen Blau leuchten, stundenlang sitze ich dann vor einer Strand-Bar und staune das Meer an oder beobachte die Aktivitäten der palermitanischen Familien, für die Mondello ein bevorzugtes Ausflugsziel ist.

Wenn ich auch sonst gerne die Ruhe suche, die man auf Sizilien an vielen Orten noch findet (siehe meinen Blogbeitrag zu Sclafani Bagni), genieße ich hier den Trubel der entsteht, wenn Sizilianer mit Kind und Kegel unterwegs sind.



Webcam Mondello

Sonntag, 8. Mai 2011

Oasen im Großstadttrubel –
Gärten und Parks in Palermo


Wenn ich den Stadtplan einer von mir durchstreiften Stadt in Sizilien anschaue, suche ich nicht nur nach den Sehenswürdigleiten, sondern auch nach grünen Flecken. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, in meine Routen immer mehrere Grünflächen einzubauen in der Hoffnung, dort besonders bei sonnigem Wetter ein schattiges Plätzchen unter Bäumen vorzufinden, an dem ich kurz verschnaufen kann. Sowohl mein Körper aber vor allem meine innere Aufnahmebereitschaft brauchen diesen Leerlauf.

Auch in meiner Lieblingsstadt Palermo gibt es diese Oasen. Manchmal winzig klein mit drei,vier Bäumen, und der ersehnten schattigen Bank oder als richtiger Park mit Eisverkauf inklusive. Hier eine kleine Auswahl der gut zu erreichenden grünen Inseln mitten in Palermo.

Die Villa Trabia (villa = Park) begeistert mich mit seinen gewaltigen Gummibäumen, die auf ihren bizzaren Luftwurzeln zu stehen scheinen und Durchmesser von über 30 m erreichen. Den Parkwächter der Villa Trabia frage ich nach dem Alter dieser Giganten. Über 300 Jahre! Ich setze mich auf eine wunderschöne Marmorbank unter einem dieser alten Riesen, ziehe die Schuhe aus und mag mir kaum vorstellen, was dieser Baum schon alles gesehen hat.

Sizilien - Palermo - Parkbank in der Villa Trabia


Der Giardino Inglese liegt im Viertel Palermo-Libertà direkt am "Champs-Élysées von Sizilien", der breiten, baumbestandenen Via della Libertà. Alleine der Spaziergang auf dieser Prachtstrasse trägt zur Entspannung bei, wenn man gerade aus den turbulenten und engen Altstadtvierteln Palermos (wie der Kalsa) kommt.

Der Botanische Garten von Palermo (Orto Botanico di Palermo) liegt direkt neben der Kalsa und ist nicht nur seit über 200 Jahren Lehrgarten der Universität Palermo, sondern ein besonderer Ort der Ruhe mit seinen Palmenalleen, Wasserbassins und wunderschön altmodischen Gewächshäusern.

Viele Sehenswürdigkeiten von Palermo könnt ihr gut vom Hauptbahnhof (Stazione Centrale) aus erreichen. Wer lieber mit dem Auto nach Palermo fährt, findet hier ein paar Tipps zum streßfreien Parken:

Bewachte Parkplätze in Palermo

Donnerstag, 5. Mai 2011

Sclafani Bagni –
verwunschenes Bergdorf in den Madonien


Die Gebirgskette der Madonien auf Sizilien ist nicht nur ein wunderschönes Wandergebiet, sondern lohnt auch für eine Entdeckungsreise zu den kleinen Bergdörfern, die aus der Zeit zu fallen scheinen.

Wer Sizilien wirklich kennenlernen möchte, sollte sich auf den Weg in die Berge machen, sagte mir ein älterer Sizilianer, den ich vor einiger Zeit beim morgendlichen Espresso in meiner Lieblings-Bar in Altavilla Milicia kennenlernte.

Also mache ich mich auf den Weg hinein in die wilde Bergwelt der Madonien. Über Serpentinen geht es bei herrlichem Wetter hinauf und als Belohnung lockt hinter jeder Kurve ein neuer, weiter Ausblick auf die Schönheit der Hügelkette.

Ab und zu halte ich an, drehe mein Gesicht in die Sonne und lausche den kleinen Glöckchen, die die Anwesenheit einer Schafherde vermelden. Von weitem kann ich das Dorf bereits sehen, wie es sich an den Felsen drückt und dem nahenden Eroberer seine mittelalterlichen Wehrtürme entgegenstreckt.


Sclafani Bagni

Ich bin glücklicherweise in friedlicher Absicht unterwegs und besuche zunächst das Thermalbad von Sclafani Bagni, das sich unterhalb des Dorfes befindet. Das Badhaus aus dem 19. Jahrhundert ist nicht mehr in Betrieb, aber die schwefelhaltige Thermalquelle sprudelt noch heute und bildet ein Becken, das als kleines, blaues Auge in einem Schilfgürtel ein wenig oberhalb der Anlage liegt. Es ist einfach zu finden, immer dem Geräusch und der Nase nach!

Nach kurzer Fahrt parke ich vor den Toren des Dorfes, denn Sclafani Bagni ist autofrei. Über mittelalterliche schmale Strassen und Treppen mache ich mich auf zur Stadtmauer und begegne dabei immer wieder dem Postboten, der mich irgendwann lachend anspricht und gleich als postalische Hilfskraft anheuern möchte.

Durch das Stadttor gelange ich zum Belvedere des Ortes, setze mich auf eine Bank direkt über dem steil abfallenden Felsen und laße das Panorama auf mich wirken. Meditation alla siciliana...