Donnerstag, 5. Mai 2011

Sclafani Bagni –
verwunschenes Bergdorf in den Madonien


Die Gebirgskette der Madonien auf Sizilien ist nicht nur ein wunderschönes Wandergebiet, sondern lohnt auch für eine Entdeckungsreise zu den kleinen Bergdörfern, die aus der Zeit zu fallen scheinen.

Wer Sizilien wirklich kennenlernen möchte, sollte sich auf den Weg in die Berge machen, sagte mir ein älterer Sizilianer, den ich vor einiger Zeit beim morgendlichen Espresso in meiner Lieblings-Bar in Altavilla Milicia kennenlernte.

Also mache ich mich auf den Weg hinein in die wilde Bergwelt der Madonien. Über Serpentinen geht es bei herrlichem Wetter hinauf und als Belohnung lockt hinter jeder Kurve ein neuer, weiter Ausblick auf die Schönheit der Hügelkette.

Ab und zu halte ich an, drehe mein Gesicht in die Sonne und lausche den kleinen Glöckchen, die die Anwesenheit einer Schafherde vermelden. Von weitem kann ich das Dorf bereits sehen, wie es sich an den Felsen drückt und dem nahenden Eroberer seine mittelalterlichen Wehrtürme entgegenstreckt.


Sclafani Bagni

Ich bin glücklicherweise in friedlicher Absicht unterwegs und besuche zunächst das Thermalbad von Sclafani Bagni, das sich unterhalb des Dorfes befindet. Das Badhaus aus dem 19. Jahrhundert ist nicht mehr in Betrieb, aber die schwefelhaltige Thermalquelle sprudelt noch heute und bildet ein Becken, das als kleines, blaues Auge in einem Schilfgürtel ein wenig oberhalb der Anlage liegt. Es ist einfach zu finden, immer dem Geräusch und der Nase nach!

Nach kurzer Fahrt parke ich vor den Toren des Dorfes, denn Sclafani Bagni ist autofrei. Über mittelalterliche schmale Strassen und Treppen mache ich mich auf zur Stadtmauer und begegne dabei immer wieder dem Postboten, der mich irgendwann lachend anspricht und gleich als postalische Hilfskraft anheuern möchte.

Durch das Stadttor gelange ich zum Belvedere des Ortes, setze mich auf eine Bank direkt über dem steil abfallenden Felsen und laße das Panorama auf mich wirken. Meditation alla siciliana...