Samstag, 29. Dezember 2012

Gibellina – Moderne Kunst trifft sizilianische Kleinstadt


Die trauen sich was, denke ich, als ich nach Gibellina Nuova hineinfahre. Eine Stadt voller moderner Kunst erwartet mich – aber auch eine Stadt, aus der das Leben gewichen ist. Das Zentrum bildet ein wirklich riesiger Platz, dessen Begrenzungsmauern mit zig Banknischen versehen ist, eigentlich eine Piazza zum schlendern und plaudern.

Doch das tut hier niemand, viel zu weitläufig und unattraktiv wurde der Platz gestaltet, mögliche Räume für Geschäfte liegen hinter der Mauer verborgen. Hier stellt keine Bar ihre Tische auf.


Die riesige Piazza von Gibellina
Die riesige Piazza von Gibellina



Gibellina - 'Il meeting', entworfen von Pietro Consagra, als Museum gedacht, ist heute eine moderne Bar.
"Il meeting", entworfen von Pietro Consagra, als Museum gedacht, ist heute eine moderne Bar



Gibellina - Die Kirche 'La grande sfera' mit arabisch anmutender Kuppel
Die Kirche "La grande sfera" mit arabisch anmutender Kuppel


Das alte Gibellina Vecchia liegt 18km entfernt und wurde 1968 bei einem schweren Erdbeben vollständig zerstört. Die Reste wurden – im Zeichen der Kunst – unter einem Leichentuch aus Beton begraben, man kann es heute besichtigen und bekommt einen Eindruck von der Enge der Gas­sen, wie man sie in vielen mittelalterlich geprägten sizilianischen Städ­ten findet. Dagegen ist das neue Gibellina luftig, großzügig und grün - aber nicht belebt.


Gibellina - Ein schöner Garten umrahmt die schroffe 'Chiesa di Gesù e Maria'
Ein schöner Garten umrahmt die schroffe "Chiesa di Gesù e Maria"


Somit hat nicht nur ein Erdbeben die Stadt getroffen, sondern auch die Moderne Kunst hat so einen Einschnitt gebracht, dass viele Menschen die Stadt verlassen haben. Zu wenig wurden sie nach ihren Bedürfnissen gefragt, als das Projekt umgesetzt wurde. Dabei war die Idee, eher die Utopie, wirklich bemerkenswert – gebaut werden sollte das neue Gibel­lina auch als Zeichen gegen Bürokratie, Korruption und Mafia.

Berühmte Künstler und Architekten gestalteten mit oder spendeten Kunst­werke, unter ihnen auch Joseph Beuys und Renato Guttuso. Dieses brachte der Stadt die höchste Dichte an moderner Kunst in Italien. Viele Werke sind im Museo d'Arte Contemporanea von Gibellina ausgestellt und einige findet man auch in den Straßen.


Gibellina - Straßenkunst 'rosa'
Straßenkunst "rosa"



Gibellina - Straßenkunst 'blau'
Straßenkunst "blau"


Ich mag moderne Kunst, wenn sie mich zum Lachen oder im besten Fall sogar zum Staunen bringt. In Gibellina wechseln sich erfreuliche Anblicke ab mit echten Gruseleffekten. Aber entscheidet selber und fahrt unbe­dingt hin - Gibellina ist einzigartig.

Den Ausflug nach Gibellina könnt ihr prima von diesen Urlaubsorten aus starten:



Sonntag, 25. November 2012

Der Schafstall des Paten – die vorletzte Unterkunft des Mafiabosses Bernardo Provenzano


Das Nebengebäude des Schafstalls in der Nähe von Corleone scheint unbewohnt - doch irgendetwas geht dort vor. Angehörige der Mafia­familie Provenzano werden gesichtet und der Stromzähler dreht sich. Seit Jahren wird die noch in Corleone lebende Familie Provenzano observiert, denn man ist sich sicher, dass diese Kontakt zum abgetauchten Capo hält.

Der Weg eines Plastikbeutels, der immer wieder aus dem Haus der Familie gebracht wird und dorthin zurückkehrt, führt schließlich auf die Spur. Verlässt darin saubere Wäsche das Haus und schmutzige kommt zurück? Als aus der Tür des vermeintlich verlassenen Stalls eine Hand nach diesem Beutel greift wissen die Fahnder, dass sie am Ziel sind. Hier hält er sich auf, der Boss der Bosse – Bernardo Provenzano, Spitzname "Der Traktor", seit 43 Jahren auf der Flucht.


Das Versteck von Bernardo Provenzano, dem letzten Mafia-Boss von Corleone.


Provenzano war der letzte Kopf der corleoneser Mafia, die im soge­nannten zweiten Mafiakrieg die Macht über die sizilianische Mafia "Cosa Nostra" für sich beanspruchte, indem sie möglichst viele Mitglieder der anderen Clans ermordete.

Diese Brutalität hatte zwei Auswirkungen: erstmalig gab es Mafia­mitglieder, die sich den Behörden stellten und zur Zusammenarbeit bereit waren, weil sie Angst um ihre Verwandten hatten. Sie führte jedoch auch zum Erstarken der Anti-Mafia-Bewegung, denn die Menschen auf Sizilien hatten einfach genug von Mord und Korruption.

Basta! Provenzano erkannte, dass die Mafia durch ihre hemmungslose Wüterei den Rückhalt auf der Insel verlor und verordnete ihr den Rück­zug. Keine offenen Morde mehr, dafür Finanzgeschäfte und Unter­wanderung der lokalen Ökonomie wie den Bausektor und Schutzgelderpressung.

Provenzano führte die Cosa Nostra auch aus dem Untergrund heraus und zwar ohne moderne Kommunikationsgeräte sondern mit Hilfe eines Systems von verschlüsselten Zettelbotschaften, den Pizzini, die klein zusammengefaltet über Umwege ihre Empfänger erreichen.


Der letzte Mafia-Boss Corleones wurde am 11. April 2006 festgenommen. Die Straße, an der sein Versteck lag wurde nach dem Ereignis umbenannt.


Die Straße, die zum Stall des Paten führt wurde umbenannt in "Via 11 Aprile 2006 arresto di B. Provenzano – mafioso" – Straße des 11. April 2006, der Tag, an dem der Mafioso Provenzano verhaftet wurde. Das Gebäude wird hoffentlich irgendwann für die Öffentlichkeit zugänglich sein und als Dokumentationszentrum der Anti-Mafia-Bewegung dienen.

Aber schon jetzt ist es interessant an diesem Ort zu stehen und sich vorzustellen, wie dieser skrupellose Mann dort wohl gelebt und mit kleinen Zettelchen seine kriminelle Welt regiert hat. Seine letzte Unterkunft, das Gefängnis in Parma, wird der Pate wohl nicht mehr verlassen.

Wer sich für die Geschichte Provenzanos interessiert, dem sei das Buch "Der Pate – Letzter Akt" von Henning Klüver empfohlen.

Corleone hat zwar die schlimmsten Paten hervorgebracht, ist aber auch schon lange eine Hochburg der Anti-Mafia. Im "Sizilien verstehen"-Artikel

Corleone – im Namen des Paten

könnt ihr die wechselvolle Geschichte der Stadt nachlesen und euch auf einen Spaziergang durch das heutige Corleone begeben. Dort erfahrt ihr auch, wo genau sich der Schaftstall des Paten befindet.


Blick auf die Dächer von Corleone


Den Ausflug nach Corleone könnt ihr prima von diesen Urlaubsorten aus starten:



Freitag, 26. Oktober 2012

Die Vulcanelli von Macalube auf Sizilien – kühle Grüße aus dem Erdinneren


Vulkanismus auf Sizilien – da denkt man sofort an den Ätna. Dieser aktive Gigant tut das, was wir gemeinhin von einem Vulkan erwarten:
Er spuckt Lava, stinkt nach Schwefel und erzeugt um sich herum eine faszinierende Mondlandschaft.

Aber es gibt noch einen anderen Vulkan-Typ auf Sizilien – die kleinen Schlamm-Vulkane von Macalube, "Vulcanelli" genannt. Man findet sie ca. 7 km nördlich von Agrigento, nahe dem Ort Aragona. Ich war gespannt, was für ein Anblick mich erwartete, als ich mich auf den Weg in das Naturschutzgebiet machte.

Ein Schotterweg führt einige hundert Meter vorbei an hügeligen Feldern und binnendünen-ähnlichen Sandhügeln. Noch ist nichts Ungewöhnliches zu sehen und zu hören, dann jedoch verändert sich der Boden und wird grau und uneben und dann steht man auf einem weitläufigen Hügel getrockneten Schlamms – unwirklich anmutend inmitten einer fruchtbaren Landschaft.

Die Verursacher kann man jetzt sehen und mit etwas Glück auch hören: Die um einen Meter hohen Schlote der Vulcanelli liegen unregelmäßig verteilt auf dem Hügel und entlassen gluckernd ein tonreiches Schlamm-Wasser-Gemisch.

Der Drang an die Erdoberfläche entsteht zum einen durch den Druck von im Gemisch gebildeten Methangas und zum anderen durch die Gesetze des Auftriebs nach Archimedes (auch ein "Sizilianer", wie ihr hier nach­lesen könnt), denn das Gemisch hat eine geringere Dichte als das umgebende Gestein. Soweit die Theorie - ich bin von Schlot zu Schlot gesprungen, um den optimalen Blubber-Moment zu erwischen und habe hier ein kurzes Video für euch:




Das Gebiet um die Vulcanelli steht unter Naturschutz und wird von der Naturschutzorganisation Legambiente Sicilia betreut. Eine Beschreibung dieses Gebietes könnt ihr in der umfangreichen Broschüre "Sizilien - Die grüne Insel" über alle Naturschutzgebiete Siziliens (75 an der Zahl!) nachlesen (Nr. 06 / Macalube d'Aragona). Die Broschüre könnt ihr hier kostenlos herunterladen:

Sizilien-Broschüren zum freien Download

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Sonntag, 16. September 2012

La Coppola Storta – die "schiefe Kappe" - von der Mafia-Kopfbedeckung zum Modeaccessoire


Die typische sizilianische Schirmmütze, genannt "Coppola", war bis in die 50er Jahre bei allen Sizilianern beliebt, wurde dann aber mehr und mehr zum Erkennungsmerkmal der Mafiosi. Viele Sizilianer ließen daraufhin die Mütze im Schrank und die Hutmacher mussten die Geschäfte zusperren.

Ende der 90er Jahre macht sich Guido Agnello daran, der Mafia die Coppola vom Kopf zu reißen und sie wieder gesellschaftsfähig zu machen. Unterstützt wurde er hierbei von der Stiftung "Fondazione Pallazzo Intelligente", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, aus-
sterbende Handwerkstraditionen und damit auch die Wirtschaft auf der Insel wiederzubeleben – die Firma "La Coppola Storta" wurde gegründet.

La Coppola Storta - Firmenlogo Das Firmenlogo mit dem sizilianischen Trinakria-Symbol
(Quelle http://www.lacoppolastorta.de/presse.htm).


Um die Produktion der Coppola in Sizilien wieder starten zu können, musste das Handwerk bei einem der letzten "Coppolari" Siziliens erst wieder neu gelernt werden. Ausgerechnet in San Giuseppe Jato, einer Hochburg der Mafia, wurde mit der Herstellung begonnen - mehr als nur ein Symbol. "La Coppola Storta" hat legale Arbeitsplätze insbesondere für Frauen geschaffen und die Zusammenarbeit mit Anti-Mafia-Organisationen wie "Addiopizzo" ist eng.

Mittlerweile ist die Coppola nicht nur bei den Sizilianern beliebt, sondern findet Abnehmer auf der ganzen Welt und auch bei bekannten Gesichtern wie George Clooney und Till Schweiger. Der wunderbare Sizilien-Film "Baaria" des Regisseurs Guiseppe Tornatore über die Menschen von Bagheria und ihren Kampf gegen die Mafia wurde von "La Coppola Storta" ausgestattet.

Mittlerweile ist die Coppola nicht länger nur Männersache – es gibt sie in so modernen und stylischen Varianten, dass auch Frauen zugreifen. Übrigens - zur "Coppola Storta" also zur "Schiefen Kappe" wird die Kopfbedeckung, wenn man den Schirm, wie früher die Dandys, ein
wenig seitlich trägt.


Hintergrundinformationen zum Drehort und die Dreharbeiten des Films "Baaria" findet ihr im "Sizilien verstehen"-Artikel
Baaria – Eine Reise zu den Wurzeln.


Die Coppola ist ein richtig schönes Mitbringsel aus Sizilien und wenn ihr in Palermo seid, solltet ihr unbedingt den Laden "La Coppola Storta" besuchen und euch die Vielfalt der Modelle anschauen. Mit Hilfe des Addiopizzo-Stadtplans für kritische Konsumenten, die mafiafrei einkaufen möchten, findet ihr leicht den Weg. Und auch außerhalb Siziliens wird die Mütze angeboten, zum Beispiel in Berlin.
Eine Erfolgsgeschichte – Made in Sicily.


Die kecke Kappe – auch schon für die junge Generation. Die kecke Kappe – auch schon für die junge Generation
(Quelle http://www.lacoppolastorta.de/presse.htm).

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Samstag, 28. Juli 2012

Mückenschutz – Mythen und Wahrheiten


Gleich vorweg – die meisten Theorien rund um das, was Mücken fernhalten soll, stimmen leider nicht. Es hilft kein Knoblauch, kein ätherisches Öl, kein Ultraschall und Menschen mit "süßem Blut" haben auch nichts zu befürchten.

Was Mücken wirklich anzieht ist das, was wir leider nicht verhindern können: unser Körpergeruch, diese spezielle Mischung aus Milch-und Fettsäuren, die wir trotz Duschen und Cremen abgeben und gerade die nachtaktiven Arten – unsere Stechmücken – fliegen auch auf das Kohlendioxid, das wir ausatmen. Deshalb schwirren uns die Viecher auch zielgerecht vor dem Gesicht herum, wenn wir schlafen wollen.


Moskitonetz in einer Ferienwohnung von Solemar Sicilia


Jetzt habe ich in der neusten "Zeit Wissen"-Ausgabe gelesen, dass es den Verdacht gibt, Menschen mit Alkohol im Blut seien für Mücken anziehend, man ist gerade am forschen (an Probanden herrscht übrigens kein Mangel). Liebe Mücken, ich lasse mir das abendliche Glas Wein unterm Sternenhimmel nicht vermiesen!

Ich setze auf das, was nachweislich hilft und das könnt ihr nachlesen in meinem "Sizilien verstehen"-Artikel zum Thema "Mückenschutz". Lauschige Sommernächte wünsche ich euch, mein Glas Nero d'Avola ist schon eingeschenkt. Salute!

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Donnerstag, 26. Juli 2012

Sizilianische Sommerwanderung im Schatten – der Wald von Ficuzza


Das kurze Regen-Gastspiel auf Sizilien ist vorbei und es ist wieder wunderbar sonnig. Natürlich steht Baden auf dem Programm oder im Schatten vor einer Bar eine Granita löffeln. Wem doch nach ein wenig Bewegung ist, dem empfehle ich jetzt im Sommer eine Wanderung durch die schattenspendenden Wälder des Bosco della Ficuzza.

Befestigte Wege führen über ca. 300 Höhenmeter durch das ausgedehnte Naturschutzgebiet, das früher einmal dem Bourbonenkönig Ferdinand IV (1751 – 1825) als Jagdrevier diente. Der König setzte sich zur Jagd übrigens einfach auf seinen in einen Felsen geschlagenen Hochsitz, dem "Pulpito del Re", und ließ sich das Wild vor die Flinte treiben. An der Lichtung, auf der diese steinerne "Kanzel des Königs" heute noch steht, kommt man auf der Wanderung vorbei. Das Jagdschloss "Casina Reale di Caccia" existiert ebenfalls noch, es werden Führungen angeboten.

Sizilien - Jagdschloß in Ficuzza


Während der Wanderungen begegnet man immer wieder durch die Wälder streifenden Kühen, mit großer Glocke um den Hals und noch im Besitz ihrer Hörner, die konventionell gehaltenen Kühen meist entfernt werden. Den mangels Weiden relativ wenigen Kühen auf Sizilien geht es also recht gut – ein Grund mehr, beim Einkauf auf sizilianische Milchprodukte zu achten und damit diese Art der Tierhaltung zu unterstützen.

Sizilien - Kuh im Bosco della Ficuzza


Wen diese leichte Wanderung nicht auslastet, der sollte sich die Rocca Busambra vornehmen, deren steile Felswand man vom Ficuzza aus immer wieder im Blick hat. Der Aufstieg geht meist durch schattenloses Gelände, ist also besser für Frühling und Herbst angesagt und auch nur für geübte und orientierungssichere Wanderer geeignet. Aber der Lohn der Aufstiegs ist der Blick über ganz viel Sizilien, vielleicht sogar bis zum Ätna!

Sizilien - Der Rocca Busambra


Eine Beschreibung dieser und vieler anderer Wanderungen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade gibt es im Wanderführer Sizilien von Peter Amann und auf der Seite von 'Ferien in Sizilien'.

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Donnerstag, 5. Juli 2012

Der Papst rief – und die Normannen eroberten Sizilien


Um 1071 hatte der Normanne Robert Guiscard seinen mit Papst Nikolaus II abgesprochenen Deal erfüllt – die arabische Eroberung Siziliens war Geschichte, Byzanz hatte auch nichts mehr zu melden und der Vatikan bekam die Lehenshoheit über Sizilien zurück - dafür durften die Normannen unter Roger I, dem Bruder Robert Guiscards, die weltliche Herrschaft übernehmen.

Wie bei allen Eroberungen ging es auch hier blutig zu, aber nach einer gewissen Zeit stellten sich die normannischen Herren als für damalige Zeiten erstaunlich tolerant heraus. Die Normannen gewährten Freiheiten und nutzten die Kenntnisse der einheimischen arabischen, jüdischen, griechisch-orthodoxen und lateinisch-christlichen Bevölkerung in Sachen Verwaltung und kulturellen Fähigkeiten. Für uns heute besonders eindrucksvoll ist die Verschmelzung von arabischer, byzantinischer und normannischer Baukunst, wie wir sie in Palermo aber auch in Cefalù bewundern können.

Wer vor der normannischen Kathedrale von Cefalu steht, der kann das Mittelalter spüren. Dieser um 1131 errichtete trutzige, schnörkellose Bau beeindruckt noch heute und hat sicherlich der damaligen Bevölkerung deutlich gezeigt, wer auf Sizilien jetzt am Ruder ist. Auf der Piazza Duomo kan man wunderbar sitzen und über die Glockentürme hinweg zur Rocca, dem Hausberg von Cefalù, hinaufschauen – eine sagenhafte Kulisse.

Sizilien - Cefalù - Der Dom von oben


In Palermo gibt es einige Bauwerke, denen man die Zusammenarbeit von normannischen und arabischen Baumeistern heute noch ansieht, weil sie im Laufe der Jahrhunderte wenig verändert wurden. Mitten in Palermo begegnet man den roten arabischen Kuppeln der Kirche San Giovanni degli Eremiti, die 1132 vom Normannenkönig Roger II in Auftrag gegeben wurde.

Sizilien - Palermo - Die Kirche San Giovanni degli Eremiti


Die schönste Gemeinschaftsarbeit, nicht nur architektonisch sondern auch funktionell ist das "Castello della Zisa" in Palermo. Dieses als Sommerfrische für erhitzte Normannenkönige dienende Stadtschloss nutzte die Erfahrung, die die Araber mit der Kühlung von Gebäuden hatten. Erreicht wurde diese durch Brunnen, fließendes Wasser und eine Innenarchitektur, die Luftbewegung ermöglichte. Das Castello beherbergt heute das Museum für Islamische Kunst – schaut mal hier in meinem Blog, dort habe ich bereits über die Zisa und ein weiteres arabisch-normannisches Castello "La Cuba" berichtet.

Sizilien - Palermo - Das Castello della Cuba.


Es gibt aber auch weniger auffällige Zeugen der normannischen Vergangenheit auf Sizilien – an der Autobahn zwischen Palermo und Cefalú kann man auf Höhe von Altavilla Milicia eine Kirchenruine aus der Normannenzeit sehen - Santa Maria di Campogrosso.

Sizilien - Altavilla Milicia - Die Ruine der normannischen Kirche Santa Maria di Campogrosso

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Donnerstag, 14. Juni 2012

Tierisches aus Sizilien

Wenn man in Sizilien auf der Terrasse sitzt, schaut hin und wieder ein Tier vorbei. Einige meiner geschuppten, gepanzerten, gefiederten und befellten Besucher möchte ich euch vorstellen.
Eidechsen sind erstaunlich reviertreu. Dieser Freund inspiziert jeden Nachmittag die Ameisenlage auf der Terrasse.

Eidechse auf der Jagd nach Ameisen

Die dicken Geckos sind wesentlich seltener zu sehen, gut getarnt und sehr scheu.

Gecko mit Tarnfarbe

Diese große Heuschrecke landete mit einen Riesengetöse auf meinem Sonnenhut – eine tolle Gelegenheit, so ein schönes Insekt mal von Nahem zu betrachten.

Heuschrecke auf Sonnenhut

Möwen gehören auch auf Sizilien zu Meer und Küste und erzeugen den typischen Seasound.

Möwen im Landeanflug

Kater "Romeo" hat mich einige Tage umworben.

Kater am Mittelmeer

…. und manchmal kommen Delfine vorbei, großartige Momente!

Delfine in der Bucht von Palermo

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Montag, 23. April 2012

Die Castelli Zisa und Cuba – arabisch-normannische Baukunst in Palermo


Habt ihr im Zusammenhang mit Sizilien schon mal von Zisa und Cuba gehört? Wer Palermo besucht, sollte sich diese beiden von Normannen-Königen im 12. Jahrhundert gebauten Schlösser nicht entgehen lassen, denn sie sind ein großartiges Zeugnis für das Verschmelzen von Kulturen und das Zusammen­fließen verschiedener Baustile.

Die Normannen haben gerne arabische Baumeister beschäftigt, denn diese kannten sich aus mit kühlen­der Architektur in sommerheißen Gegenden – so wurden die Castelli außen normannisch-cool gestal­tet und innen arabisch klimatisiert. Eine geschickte Belüftungstechnik leitete warme Luft zur Abkühlung in einen Brunnensaal, wo immer Wasser floss.

Das Castello della Zisa (abgeleitet aus dem arabi­schen al-'azīz = glanzvoll) ist der besser erhaltene Palast, der innen und außen umfangreich restauriert wurde. Der Brunnen plätschert noch und viele ara­bische Stilelemente wie die stalaktitenartigen Wand­verzierungen (Muqarna) oder die holzgeschnitzten Paravents (Musciarabia) sind erhalten.

In der Zisa ist das Museum für Islamische Kunst (Museo d'Arte Islamica) untergebracht mit arabi­schen Keramiken und Messingarbeiten, die zum Teil erst in den 1970er Jahren bei Ausgrabungen in Palermo entdeckt wurden.

Wem die Zisa gefallen hat, sollte sich auch "La Cuba" (vom arabischen Qubba (Kuppel) ansehen, obwohl dieser Palast kaum noch Innenleben hat. Äußerlich ist er aber mit seinen Blendarkaden und dem mit arabischen Schriftzügen verzierten Fries schön anzusehen. Im Inneren gibt es noch Reste der Brunnenanlage und einer Muqarna.

Palermo hat noch viel mehr zu bieten, hier gibt es Reisetipps für den Besuch dieser lebendigen Stadt. Als Ausgangspunkt für einen Sizilien-Urlaub em­pfehle ich eine Ferienwohnung der Sprachschule Solemar Sicilia in Mongerbino direkt am Meer oder in Santa Flavia, wo man mitten drin ist im sizilianischen Alltag.
Sizilien - Palermo - Das Castello della Zisa

Beide Orte sind nur wenige Kilometer von Palermo entfernt, man kann herrlich entspannen und mit dem Zug der Trenitalia nach Palermo fahren.

Sizilien - Palermo - Das Castello della Cuba.

Solemar Sicilia bietet außerdem Führungen durch "Palermo bei Nacht" an - mit Imbiss in der Antica Focacceria San Francesco und Absacker im Kursaal Kalhesa. Beide Lokale und Solemar Sicilia sind Mitglied bei Addiopizzo, der erfolgreichen Anti-Mafia-Initiative gegen Schutzgelderpressung.

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