Sonntag, 16. September 2012

La Coppola Storta – die "schiefe Kappe" - von der Mafia-Kopfbedeckung zum Modeaccessoire


Die typische sizilianische Schirmmütze, genannt "Coppola", war bis in die 50er Jahre bei allen Sizilianern beliebt, wurde dann aber mehr und mehr zum Erkennungsmerkmal der Mafiosi. Viele Sizilianer ließen daraufhin die Mütze im Schrank und die Hutmacher mussten die Geschäfte zusperren.

Ende der 90er Jahre macht sich Guido Agnello daran, der Mafia die Coppola vom Kopf zu reißen und sie wieder gesellschaftsfähig zu machen. Unterstützt wurde er hierbei von der Stiftung "Fondazione Pallazzo Intelligente", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, aus-
sterbende Handwerkstraditionen und damit auch die Wirtschaft auf der Insel wiederzubeleben – die Firma "La Coppola Storta" wurde gegründet.

La Coppola Storta - Firmenlogo Das Firmenlogo mit dem sizilianischen Trinakria-Symbol
(Quelle http://www.lacoppolastorta.de/presse.htm).


Um die Produktion der Coppola in Sizilien wieder starten zu können, musste das Handwerk bei einem der letzten "Coppolari" Siziliens erst wieder neu gelernt werden. Ausgerechnet in San Giuseppe Jato, einer Hochburg der Mafia, wurde mit der Herstellung begonnen - mehr als nur ein Symbol. "La Coppola Storta" hat legale Arbeitsplätze insbesondere für Frauen geschaffen und die Zusammenarbeit mit Anti-Mafia-Organisationen wie "Addiopizzo" ist eng.

Mittlerweile ist die Coppola nicht nur bei den Sizilianern beliebt, sondern findet Abnehmer auf der ganzen Welt und auch bei bekannten Gesichtern wie George Clooney und Till Schweiger. Der wunderbare Sizilien-Film "Baaria" des Regisseurs Guiseppe Tornatore über die Menschen von Bagheria und ihren Kampf gegen die Mafia wurde von "La Coppola Storta" ausgestattet.

Mittlerweile ist die Coppola nicht länger nur Männersache – es gibt sie in so modernen und stylischen Varianten, dass auch Frauen zugreifen. Übrigens - zur "Coppola Storta" also zur "Schiefen Kappe" wird die Kopfbedeckung, wenn man den Schirm, wie früher die Dandys, ein
wenig seitlich trägt.


Hintergrundinformationen zum Drehort und die Dreharbeiten des Films "Baaria" findet ihr im "Sizilien verstehen"-Artikel
Baaria – Eine Reise zu den Wurzeln.


Die Coppola ist ein richtig schönes Mitbringsel aus Sizilien und wenn ihr in Palermo seid, solltet ihr unbedingt den Laden "La Coppola Storta" besuchen und euch die Vielfalt der Modelle anschauen. Mit Hilfe des Addiopizzo-Stadtplans für kritische Konsumenten, die mafiafrei einkaufen möchten, findet ihr leicht den Weg. Und auch außerhalb Siziliens wird die Mütze angeboten, zum Beispiel in Berlin.
Eine Erfolgsgeschichte – Made in Sicily.


Die kecke Kappe – auch schon für die junge Generation. Die kecke Kappe – auch schon für die junge Generation
(Quelle http://www.lacoppolastorta.de/presse.htm).

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